GedankenRefresh Ankommen im Hier und Jetzt


Vanja saß allein auf einer Bank im Wald.

Der Weg war still.
Nur das leise Rascheln der Blätter im Wind,
das entfernte Klopfen eines Spechts
und der Duft von feuchter Erde lagen in der Luft.

Eigentlich war nichts Besonderes passiert.

Sie hatte nur kurz eine Bekannte getroffen.
Vanja hatte gelächelt, etwas Freundliches gesagt,
sich ehrlich gefreut, sie zu sehen.

Doch ihre Freundin hatte kaum reagiert.

Nur ein kurzes:
‚Ich muss weiter … bis bald mal.‘ Müde siehst du aus.

Und dann war sie schon gegangen.

Seitdem ließ die Situation sie nicht mehr los.

Vanja  sah auf den Waldboden.

‚War ich komisch?
Habe ich etwas Falsches gesagt?
War sie genervt?
Oder wollte sie einfach nur schnell weiter?
Warum hat sie nicht gelächelt?‘

Immer wieder kreisten dieselben Gedanken durch ihren Kopf.

Sie suchte in Gedanken das letzte Treffen, in der Vergangenheit, ob da etwas vorgefallen war.

Der Wald um sie herum war ruhig.
Aber in ihr war es laut geworden.

Sie bemerkte gar nicht mehr,
wie sich das Licht zwischen den Ästen bewegte.
Hörte die Vögel kaum noch.
Spürte den Wind nicht mehr richtig auf ihrer Haut.

Ich rufe sie jetzt an und frage sie, ob etwas vorgefallen ist. Doch keiner meldete sich am anderen Ende. Jetzt wurde sie noch nervöser und sie war nur noch in ihren Gedanken. 

Nach einer Weile hörte sie langsame Schritte auf dem Waldweg.

Eine etwas ältere Dame blieb freundlich stehen.

‚Entschuldigen Sie …
dürfte ich mich kurz zu Ihnen setzen?‘

Vanja nickte leicht.
‚Natürlich.‘

Die ältere Dame setzte sich ruhig neben sie.

Für einen Moment schwiegen beide einfach.

Dann fragte die ältere Dame mit sanfter Stimme:

‚So viele Gedanken gerade?‘

Vanja musste leicht lächeln.
Ein wenig traurig.

‚Ja … irgendwie schon.‘

Und ohne genau zu wissen warum,
erzählte sie von der kurzen Begegnung mit ihrer Freundin.
Von dem fehlenden Lächeln.
Von diesem Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben.

Die ältere Dame hörte einfach zu.

Ganz ruhig.

Dann sagte sie:

‚Nennen Sie mir fünf Dinge, die Sie gerade sehen.‘

Vanja blinzelte leicht überrascht.

‚Wie bitte?‘

‚Fünf Dinge.
Nur das, was Sie gerade sehen.‘

Vanja schaute sich langsam um.

‚Die hohen Bäume …
das Moos dort vorne …
die kleinen weißen Blumen am Weg …
Ihre rote Jacke …
und das Sonnenlicht zwischen den Ästen.‘

Die ältere Dame nickte leicht.

‚Gut.
Und jetzt vier Dinge, die Sie spüren können.‘“ 🌿

Vanja atmete langsam ein.

‚Die Bank unter mir …
den Stoff meiner Jacke auf der Haut …
den Wind in meinem Gesicht …
und meine Hände … sie sind ganz kalt geworden.‘

Die ältere Dame lächelte sanft.

‚Jetzt drei Dinge, die Sie hören.‘

Vanja lauschte einen Moment.

Zum ersten Mal seit langer Zeit wirklich.

‚Vögel …
den Wind in den Blättern …
und irgendwo knackt ein Ast.‘

‚Gut‘, sagte die ältere Dame leise.
‚Zwei Dinge, die Sie riechen können.‘

Vanja schloss kurz die Augen.

‚Die Erde nach dem Regen …
und irgendwie … frisches Holz.‘

Die ältere Dame nickte erneut.

‚Und nun eine Sache, die Sie schmecken.‘

Vanja musste kurz überlegen.

Dann lächelte sie leicht.

‚Die kalte Luft.‘

Für einen Moment wurde es still zwischen ihnen.

Doch diesmal fühlte sich die Stille anders an.

Nicht schwer.

Eher weit.

Vanja bemerkte plötzlich,
wie ruhig der Wald eigentlich war.

Das Licht bewegte sich weich zwischen den Ästen.
Ein Blatt löste sich lautlos von einem Baum
und tanzte langsam zu Boden.

Und irgendwo dazwischen
waren ihre Gedanken leiser geworden.

Nicht verschwunden.

Aber leiser.

‚Was war das gerade?‘ fragte Vanja schließlich leise.

Die ältere Dame sah hinaus auf den Waldweg.

Ihr Kopf kann nicht gleichzeitig grübeln
und wirklich wahrnehmen.‘

Vanja schwieg.

‚Wenn wir anfangen,
unsere Aufmerksamkeit wieder ins Hier und Jetzt zu holen,
entsteht Raum zwischen uns und unseren Gedanken.‘

Sie machte eine kleine Pause.

‚Die Gedanken können noch da sein.
Aber sie reißen uns nicht mehr so mit.‘

Vanja sah auf ihre Hände.

Vor wenigen Minuten hatte sich noch alles in ihr gedreht.
Jetzt war da plötzlich wieder etwas anderes.

Raum.

Atem.

Der Wind strich durch die Bäume
und zum ersten Mal bemerkte sie,
wie angenehm warm die Abendsonne auf ihrer Haut war.

‚Aber die Gedanken kommen doch wieder zurück … oder?‘ fragte sie leise.

Die ältere Dame lächelte.

‚Vielleicht.
Aber dann können Sie wieder beginnen zu sehen.
Zu hören.
Zu fühlen.‘

Sie stand langsam auf.

‚Nicht jeder Gedanke braucht eine Antwort.‘

Vanja sah ihr nach,
wie sie langsam den Waldweg entlangging,
bis sie zwischen den Bäumen verschwand.

Dann wurde es wieder still.

Die Situation war noch nicht ganz verschwunden.

Die Fragen vielleicht auch nicht.

Aber sie war nicht mehr mitten darin gefangen.

Sie lehnte sich langsam zurück
und hörte einfach nur dem Wind zwischen den Bäumen zu.

Und irgendwo zwischen ihrem ruhigen Atem,
dem Rascheln der Blätter
und dem weichen Licht des Abends
merkte sie:

Manche Gedanken werden nicht leise,
weil wir sie lösen.

Sondern weil wir aufhören,
uns in ihnen zu verlieren.“ 🌿

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