In den vergangenen Tagen hat die Sonnenfinsternis viele Menschen beschäftigt. Es gibt zahlreiche Deutungen darüber, welche Bedeutung sie haben und was sie uns vielleicht mitteilen könnte.
Ich weiß nicht, ob sie eine bestimmte Bedeutung besitzt. Ich weiß auch nicht, ob eine Sonnenfinsternis uns überhaupt etwas sagen möchte.
Für mich persönlich ist sie jedoch zu einem Sinnbild geworden.
Der Mond schiebt sich vor die Sonne. Für eine gewisse Zeit wird das Licht verdeckt und es wird dunkel.
Doch die Sonne ist noch da. Da zweifelt niemand dran.
Dieser Gedanke hat in mir einige Fragen ausgelöst:
Was liegt in mir noch im Dunkeln?
Was möchte gesehen werden?
Und warum fällt es mir manchmal so schwer, dort hinzuschauen?
Was wir lieber nicht in uns sehen möchten
Vielleicht sind da Bewertungen und Urteile. Vielleicht Wut, Groll, Angst, Neid, Scham oder der Gedanke an Schuld.
Jeder Mensch besitzt Anteile, die nicht zu dem Bild passen, das er gern von sich haben möchte. Wir zeigen uns lieber liebevoll, gelassen, freundlich und bewusst. Gedanken und Gefühle, die diesem Selbstbild widersprechen, möchten wir deshalb häufig schnell loswerden.
Wut? Habe ich nicht.
Groll? Ach was.
Angst? Nein, damit habe ich kein Problem.
Doch was wir in uns nicht sehen möchten, verschwindet dadurch nicht. Es wirkt häufig unbemerkt weiter – in unseren Reaktionen, Entscheidungen, Beziehungen und Bewertungen.
Genau darin liegt die Kraft des Unbewussten: Solange ich etwas nicht erkenne, kann ich auch nicht bewusst damit umgehen. Ich reagiere immer wieder auf ähnliche Weise und frage mich anschließend, warum sich bestimmte Situationen in meinem Leben wiederholen.
Das bedeutet nicht, dass ich an allem schuld bin, was mir geschieht.
Es bedeutet, dass meine inneren Überzeugungen beeinflussen, was ich wahrnehme, wie ich das Wahrgenommene deute und wie ich darauf reagiere.
Bewusste Wünsche und verborgene Überzeugungen
Viele Menschen wünschen sich Veränderung. Mehr Liebe, Freiheit, Erfolg, Sicherheit, Geld oder eine erfüllte Partnerschaft.
Diese Wünsche sind uns bewusst.
Gleichzeitig können darunter ganz andere Überzeugungen liegen:
Ich bin nicht gut genug.
Ich habe das nicht verdient.
Ich werde sowieso verlassen.
Erfolg ist gefährlich.
Ich darf nicht mehr besitzen als andere.
Wenn ich mich zeige, werde ich abgelehnt.
Dann entsteht ein innerer Widerspruch. Bewusst wünsche ich mir Veränderung, während ein anderer Teil von mir versucht, mich vor genau dieser Veränderung zu schützen.
Nicht das Universum bestraft mich deshalb. Und meine Gedanken zaubern auch nicht jedes äußere Ereignis herbei.
Aber meine Überzeugungen können beeinflussen, was ich mir zutraue, welche Möglichkeiten ich wahrnehme, welche Entscheidungen ich treffe und wie lange ich in bestimmten Situationen bleibe.
Solange diese Gedanken im Dunkeln liegen, halte ich sie leicht für die Wahrheit.
Was ich im Außen bekämpfe
Auch unsere Urteile über andere Menschen können uns etwas über uns zeigen.
Wenn ich denke:
Du bist schuld, dass es mir so geht.
Wegen dir bin ich unglücklich.
Wenn du anders wärst, könnte ich endlich in Frieden sein.
… darf ich für einen Moment innehalten und mich fragen:
Ist das wirklich die ganze Wahrheit?
Was ein anderer Mensch getan hat, kann mich treffen, verletzen oder erschüttern. Ich darf wütend und traurig sein. Ich darf Grenzen setzen und Konsequenzen ziehen.
Verantwortung zu übernehmen bedeutet nicht, das Verhalten eines anderen gutzuheißen oder mir selbst die Schuld dafür zu geben.
Es bedeutet, dass ich meinen inneren Zustand nicht dauerhaft in seine Hände lege.
Vielleicht geschieht etwas, das nicht meiner Vorstellung entspricht. Vielleicht verhält sich ein Mensch anders, als ich es erwartet oder erhofft habe. Das kann schmerzhaft sein.
Doch häufig leiden wir nicht nur unter dem Geschehen selbst. Wir leiden zusätzlich unter unserem Kampf dagegen, dass es anders gekommen ist, als es unserer Vorstellung nach hätte kommen sollen.
Wir möchten das unangenehme Gefühl nicht haben. Es soll verschwinden. Wir argumentieren, analysieren, klagen an und wollen recht behalten.
Und genau dieser innere Widerstand hält den Kampf häufig am Leben.
Hinsehen, ohne zu verurteilen
Was wäre, wenn ich das Gefühl für einen Moment nicht wegschieben müsste?
Wenn ich einfach wahrnehmen dürfte:
Da ist Wut.
Da ist Angst.
Da ist Groll.
Da ist eine Schuldzuweisung.
Da ist die Vorstellung, dass dieser Mensch anders sein müsste, damit ich glücklich sein kann.
Ich muss mich dafür nicht verurteilen.
Ich darf es sehen.
Hinsehen bedeutet nicht, dass ich das Gefühl festhalte oder mich endlos darin verliere. Es bedeutet, dass ich aufhöre, vor ihm davonzulaufen.
Erst wenn ich erkenne, was in mir geschieht, kann ich bewusst damit umgehen.
Ich kann das Gefühl meinem Höheren Selbst, Gott, Jesus, der Quelle oder jener inneren Weisheit übergeben, an die ich glaube.
Ich kann sagen:
Ich sehe, dass es da ist.
Ich weiß gerade nicht, wie ich damit umgehen soll.
Bitte übernimm du.
Zeige mir einen anderen Blick darauf.
In diesem Moment muss ich nichts mehr bekämpfen oder allein lösen.
Vielleicht wird es sofort etwas ruhiger. Vielleicht verändert sich zunächst gar nichts. Auch das ist in Ordnung.
Es geht nicht darum, ein Gefühl möglichst schnell wegzubekommen. Es geht darum, ihm nicht länger unbewusst die Führung zu überlassen.
Eine kleine Übung zum Abgeben
Denke an eine Situation oder einen Menschen, der dich unruhig, traurig oder wütend macht.
Wenn es für dich angenehm ist, schließe für einen Moment die Augen.
Atme langsam und tief bis in deinen Bauchraum.
Lass die Situation vor deinem inneren Auge auftauchen. Versuche nicht, sie zu erklären oder zu lösen. Nimm nur wahr, was in dir geschieht.
Wo spürst du das Gefühl in deinem Körper?
Vielleicht im Brustkorb, im Bauch, im Hals oder in den Schultern.
Bewerte es nicht. Sage innerlich:
Ich sehe dich.
Du darfst für diesen Moment da sein.
Und wenn es für dich stimmig ist, füge hinzu:
Ich gebe das jetzt an mein Höheres Selbst ab.
Ich muss es nicht allein lösen.
Mach du das.
Atme noch einmal ruhig ein und aus.
Spüre nach, ohne eine bestimmte Veränderung zu erwarten.
Vielleicht wird dein Atem etwas tiefer. Vielleicht wirst du weicher. Vielleicht bleibt das Gefühl zunächst unverändert.
Auch dann hast du etwas Entscheidendes getan:
Du hast hingesehen, anstatt dich automatisch in den Kampf zu begeben.
Das Licht war niemals fort
Für mich liegt darin die tiefere Erinnerung der Sonnenfinsternis:
Wenn es dunkel wird, ist das Licht nicht verschwunden.
Etwas hat sich für eine Weile davorgeschoben.
So ist es vielleicht auch mit unserer inneren Liebe, unserem Frieden und unserer Verbundenheit. Sie sind nicht verloren. Manchmal werden sie nur von Angst, Groll, Urteilen und alten Überzeugungen verdeckt.
Wir müssen die Dunkelheit nicht bekämpfen.
Wir dürfen Licht hineinlassen, indem wir bereit sind hinzusehen.
Nicht mit Schuld.
Nicht mit Verurteilung.
Sondern mit Ehrlichkeit, Mitgefühl und der Bereitschaft, uns selbst wieder ein Stück näherzukommen.
Denn manches wird erst sichtbar, wenn wir wirklich hinsehen – auch dort, wo es in uns noch dunkel ist.
Was löst dieser Gedanke in dir aus? Vielleicht möchtest du deine Gedanken oder deine Erfahrung dazu mit mir teilen.
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